Projekte Kulturentwicklungsplan für den ländlichen Raum am Beispiel der Marktgemeinde Grafenwörth am Kamp / NÖ Projektdauer:  2008 - 2010 Organisation und Leitung:  Mag. Ingrid Oberndorfer Projektstatus: abgeschlossen Inhalt: Im Gegensatz zu Deutschland existieren bis heute in Österreich Kulturentwicklungspläne (KEP) nur  vereinzelnd für ein paar Großstädte, wie für etwa für Feldkirch, Salzburg, Linz, Steyr, Graz, Krems und  Wien - nur im Rahmen des Stadtentwicklungsplans. Für eine Landgemeinde war eine Vorausplanung von Kultur bis dato gänzlich unbekannt. Die  Marktgemeinde Grafenwörth am Kamp übernimmt hier eine bemerkenswerte Vorreiterrolle. Der Ort ist  im Begriff, durch den Bau eines für Landverhältnisse scheinbar „unnötig großen“  Veranstaltungsgebäudes sich in ein noch nicht vorhandenes künftiges kulturelles Leben - und damit  verbunden mit einem großen finanzwirtschaftlichen Vorteil - zu katapultieren.   Doch die nächsten ebenso wichtigen Fragen sind nun: „Ist genügend Potential vorhanden, um die  gegebenen Möglichkeiten ergreifen und auch umsetzen zu können? Ist der Großteil der 3.000  Einwohner in der Lage, ihre ihnen gegebene touristische, wirtschaftliche und kulturelle Chance zu  nutzen? Nehmen die Einwohner der Gemeinde alle Angebote wahr, um einen riesigen Schritt vorwärts  zu gehen und somit ihren Kindern und Kindeskindern eine bessere Zukunft zu überlassen? Der Kulturentwicklungsplan soll allen Bewohnern der Marktgemeinde Grafenwörth am Kamp helfen,  den kulturellen „Ist-Zustand“ zu erkennen und an der Umwandlung eines „Soll-Zustandes“  mitzuarbeiten. Denn das Naheverhältnis zum 5-km entfernt liegenden Schloss Grafenegg mit seinen  kulturellen Aktivitäten wird auf Dauer nicht ausreichen, um Touristen und andere Kulturinteressierte  anzulocken.   Reichlich Ideen und Phantasien sind genauso gefragt, wie wirtschaftlicher Weitblick und finanzielle  Unterstützung von Gemeinde, Land, Bund und europäische Förderungen. Will man die Entwicklung  von Wirtschaft und Kultur eines kleinen Ortes schneller vorantreiben, müssen alle Möglichkeiten  ausgeschöpft werden. Auch hier kann wieder der Kulturentwicklungsplan Hilfestellung geben, der  durch die Vorausschau von 10 Jahren auch eine finanzielle Vorausplanung geben kann. Der KEP soll  das Bewusstsein der Bevölkerung gegenüber ihrem kulturellen Erbe, ihren Kulturlandschaften und  Baudenkmälern stärken und deren Erhaltung für zukünftige Generationen in den Vordergrund stellen.  Kulturentwicklung muss somit künftig bereits in jedem Raumordnungsprogramm integriert werden. Grafenwörth hat sich als Marktgemeinde in der Region Wagram in den letzten Jahren als Vorbild für  andere Gemeinden auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung profiliert und ist gerade im Begriff,  seine Chance als leading role gegenüber den anderen Gemeinden der Region – besonders durch das entstehende Kultur- und Veranstaltungszentrum – zu nutzen.  Durch die Revitalisierung der bedeutungslosen Museen in Form von hoch qualifizierten Aktivitäten und  durch die Veröffentlichung eines Kulturführers könnte auch die Marktgemeinde Grafenwörth künftig  belegen, dass dieser scheinbar und bis dato fast unbekannte Ort mitten in Niederösterreich auch auf  kulturellem Gebiet in der Lage ist, Großes zu leisten.  Doch noch besteht ein großer Nachholbedarf. Volkskultur und Traditionspflege haben einen großen  Stellenwert, wissenschaftliche Forschung existiert nicht, zeitgenössische Kunst oder neue Ideen auf  anderen Gebieten sind kaum vorhanden oder stoßen durch Unwissenheit auf kargen Boden. In den  meisten Kulturbereichen gibt es für interessierte Bevölkerungsschichten nur Angebotsdefizite. So  floriert die Musikschule, so genannte „Museen“ haben keinen Stellenwert, ein Archiv oder eine   öffentliche  Bücherei  gibt  es  noch nicht, wogegen diverse Traditionsvereine wie ein Schützenverein  oder eine Theatergruppe zwar vorhanden sind, jedoch keinen überregionalen oder gar medialen  Charakter besitzen.  Soll Grafenwörth eine über die Landesgrenzen hinaus bekannte Gemeinde werden, muss sie auf dem  Gebiet von Kunst und Kultur beträchtlich nachziehen. Mit Hilfe des Kulturentwicklungsplans sollen „Ist-  Zustand“ und vorhandenes Potential im Kulturbereich gesichtet und gefördert werden, um  längerfristige Entwicklungsmöglichkeiten schaffen zu können. Anliegen und Aufgabe aller – damit meine ich Bund, Land, Gemeinde und im besonderen alle  Gemeindemitglieder/innen - wird es in den nächsten Jahren sein müssen, die aufgezeigten Lücken zu  füllen.